Intermagic 2. Jhg. 1974/1975

Alles, was Sie schon immer über Magie wissen wollten

Übersetzt aus GENII The Conjurers‘ Magazine, herausgegeben von William W. Larsen, Jr.
Veröffentlicht von Charles Miller in seiner Kolumne MAGICANA.

InterThought - Ausgabe 1, Juli 1974

In diesem Interview blickt der niederländisch Magier Peter Pit hinter die Kulissen seiner Kunst. Es geht um Magie als eigenständige Form des Showbusiness, um ihre Chancen und Schwächen, in Zeiten in der TV, Close‑up und Nightlife die Bühnen neu definieren. Pit, der in den USA mit seinem „tanzenden Stab“ berühmt wurde und als Regisseur, Produzent und Talentkoordinator in Hollywood verwurzelt ist, teilt seine Erfahrungen und fordert von seinen Zunftgenossen, Magie endlich als ernstes Geschäft zu nehmen, nicht nur als Spielerei aus dem Katalog

(*aber in keinem Katalog finden konnten)

Seit langer Zeit bemühte ich mich, mit Peter Pit zusammenzukommen, Hollands großem Beitrag zur magischen Szene der USA. Wie die meisten unter Ihnen sich erinnern werden, kam Peter in die Vereinigten Staaten und wurde der amerikanischen Öffentlichkeit in der Ed-Sullivan-Show vorgestellt, in der er seinen jetzt klassischen tanzenden Stab präsentierte. Ich hatte über Peter in europäischen Zaubermagazinen gelesen, nachdem er 1958 den ersten Preis auf dem internationalen Zauberkongress in Wien gewonnen hatte. Dai Vernon erzählte mir von seiner einzigartigen Zauberdarbietung, die Dai und Slydini sahen, als er im Quagliono’s auftrat, einem eleganten Klub in London.

Außer dem tanzenden Stab bringt Peter auch die Flaschenvermehrung (insgesamt dreißig Stück!), ein neuartiges Kaninchenverschwinden, eine sehr gekonnte ‚Boleno‘-Routine und andere Originaleffekte. Mit dieser Nummer kam er in unser Land und trat seitdem in anderen großen Fernsehsendungen, in Las Vegas und in berühmten Klubs in DEN USA, Kanada, Südamerika und Mexiko auf.

Inzwischen baute Peter in seine Nummer viel Humor ein, wodurch seine Persönlichkeit irgendwie einzigartig wurde, so dass ihn die Kritiker heute den ‚Victor Borge‘ der Zauberkunst nennen. Es ist keine Übertreibung, ihn als einen Mann mit vielen Talenten zu bezeichnen; Peter war Produzent, Regisseur und Autor einer tempogeladenen, Las-Vegas-artigen Revue für Luxuspassegierdampfer; er war Gastgeber einer magisch orientierten Fernsehsendung, bei der einige unserer „Großen“ als Gast auftraten (Channing Pollock, Dai Vernon); er conferierte Milt Larsens „It’s Magic“-Show; er förderte einige ausgezeichnete Berufsmagier und Artisten anderer Unterhaltungssparten; und er ist momentan der Talentkoordinator eines der besten Nachtklubs von Hollywood. Da er auch ein guter Schauspieler ist, der eine hervorragende Ausbildung in Europa und Amerika erhielt, haben Sie ihn vielleicht schon in den Fernsehserien „Combat (Feindberührung)“ oder in dem Film „Devil’s Brigade (des Teufels Brigade)“ gesehen.

Kürzlich unterhielt ich mich mit Peter im Magic Castle und bat ihn, einen Teil seiner großen Kenntnisse über ein Gebiet, über das man heute scheinbar nur wenig spricht, mit uns zu teilen: nämlich die geschäftlichen Aspekte der Zauberkunst. Nicht Tricks und Routinen, sondern die hochentwickelte Fähigkeit, Magie als Theater und Entertainment zu sehen. Er ist ein vielbeschäftigter Mann und ich war dankbar für die Gelegenheit, mit Peter zu sprechen, der ein Mitglied des Magic-Castle-Direktoriums ist.
(C) Peter, wo steht die Zauberkunst heute und warum?

(P) Charlie, wir wollen über Magie als Sparte der Unterhaltungskunst sprechen. Es scheint, als ob sich die Zauberkunst nicht wie andere Formen des Entertainments weiterentwickelt hat. Ich befürchte, dass die Magie als eine Kunstform innerhalb der Unterhaltungsindustrie sich nur sehr schleppend der heutigen Zeit anpaßt. Sie muss aufgefrischt werden. In der Welt der Musik haben sich die Gesangsstars verändert, die Musik verändert, so dass wir die heutige Welt in dem erkennen, was wir am Radio hören. Das Theater unterlag dem gleichen Wechsel, und mit dem Beginn des Fernsehens hat das Entertainment andere Dimensionen angenommen. Obwohl sich die Zauberkunst nur langsam weiterentwickelte, glaube ich ehrlich nicht, dass sie tot ist. Wir haben große magische Nummern von internationalem Ruf gesehen – nicht nur aus der Hand der magischen Vereinigungen, sondern auch im Auge der Öffentlichkeit. Momentan denke ich an Siegfried und Roy, Marvin Roy, Ballantine und Robert Harbin, um nur einige Bühnenmagier zu nennen. Aber gibt es nicht zu denken, dass es in diesem Land mit mehr als zweihundert Millionen Menschen schwer ist, zwanzig Namen zu nennen, welche die Öffentlichkeit kennt? Das Fehlen großer Zaubernummern erklärt sich sicherlich aus folgenden Tatsachen: Das Verschwinden von Vaudeville und seinen Bühnen; der heutige Kult, Persönlichkeiten zu kreieren, der sich durch Magier nicht so leicht füllen lässt wie z. B. durch Sänger; junge Menschen (die halbe Bevölkerung dieses Landes ist weniger als 26 Jahre alt) haben keine Idole der Zauberkunst, welche sich mit der Anhimmlung von Film- und Fernsehstars vergleichen kann; das konstante Verschwinden der Nachtklubs auf der ganzen Welt; und der Fortschritt der Weltraumtechnik, der so viele Geschehnisse als Zauberei erscheinen lässt.

(C) Ja, das stimmt. Wir sehen so viele echte Wunder in unserem täglichen Leben, dass man den Eindruck gewinnt, dass die Zauberkunststücke, die ein Magier auf der Bühne zeigt, mit etwas Überlegung erklärlich sind. Können wir daran etwas ändern? Was kann man tun, um Arbeitsmöglichkeiten zu finden, wenn das Schwergewicht auf dem Theater liegt, auf Entertainment und vielleicht auf der Aufgabe, wie man die Menschen die Raketen zum Mond und die Computer, die uns täglich Rechnungen schicken, vergessen läßt?

(P) Bis zu einem gewissen Grad wurde die Leere der Vorführungsstätten durch das Fernsehen mit seinen bunten Programmen, Talkshows und sogar magischen Spezialdarbietungen gefüllt. Auch scheint es mehr magische Revuen wie „It’s Magic“, etc., zu geben. In Las Vegas werden ohne Unterbrechung große Hotels mit Riesensälen gebaut, in denen man oft Zauberakte sieht. Das zukunftsorientierte Geschäft mit den Luxuskreuzern bietet, wenn auch nicht lukrativ, Beschäftigungsmöglichkeiten. Und dann hat natürlich Close-up-Magie einen völlig neuen Vorführungsrahmen auf Kongressen, Handelsmessen usw. gefunden.

(C) O. K., Peter, ich werde dich jetzt mal festnageln. Machst du einen Unterschied zwischen Amateur und Berufsmagier?

(P) Charlie, das Wort „Amateur“ hat einen schlechten Beigeschmack. Ich assoziiere das Wort sofort mit Wörtern wie „ungeschickt, ungeübt“. Ich würde das Wort „Amateur“ gern durch das Wort „Hobbyist“ ersetzen. In der Zauberei sollte nichts ohne Geschick und ohne Übung getan werden. Viele unserer guten Magier sind keine Berufszauberkünstler und unglücklicherweise würde es einigen unserer Berufszauberkünstler gut tun, einigen unserer Hobbyisten zuzusehen. Der Berufszauberkünstler muss sich der wichtigen Faktoren und der notwendigen Talente, die er besitzen muss, vollkommen bewusst sein. Ich spreche über die Fähigkeit, kreativ zu sein, eine Bühnenpersönlichkeit zu besitzen, Einfallsreichtum zu haben, schauspielern zu können und zu wissen, „was sich tut“. Diese Fähigkeiten stehen in keinem Katalog und man kann sie nicht kaufen, aber sie müssen vorhanden sein und es muss die Bereitschaft bestehen, sie zu entwickeln. Der Hobbyist ist auf diese Qualitäten nicht so sehr angewiesen wie der Profi, da der Hobbyist die Magie mehr zum Zeitvertreib als zur Bestreitung des Lebensunterhaltes betreibt.

(C) Findest du es leicht, Berufsmagier zu werden?

(P) Natürlich, Charlie, genau so leicht wie Arzt, Jurist oder Astronaut. Die Redewendung „Jahre der Übung und Selbstverleugnung“ enthält mehr Wahrheit als Komik. Jack Benny sagte mir einmal, dass es 15 Jahre dauert, bis man seinen eigenen, wirkungsvollen Stil als Komiker entwickelt. Früher war ich anderer Meinung, aber jetzt erkenne ich, dass er recht hatte. Zu viele Magier glauben, dass man einen Trick vorführen kann, sobald man ihn gekauft und die Instruktionen gelesen hat. Manche lesen nicht einmal die Instruktionen. Aber es gehört noch mehr dazu. Die meisten unter uns wissen das; aber halten sich nicht daran. Paul Fox erklärte mir kürzlich, dass noch nie etwas erfunden wurde, was sofort vollkommen war. In anderen Worten: Kaufe den Trick, denke nach und denke nochmals nach. Überlege, wie du den Trick deiner eigenen Persönlichkeit, Zauberdarbietung und deines magischen Stils anpassen kannst. Natürlich ist Paul Fox ein Perfektionist, aber das sollte jeder Berufszauberer sein oder zumindest versuchen, es zu sein. Jedermann, der die besprochenen Talente besitzt, hat Zugang zu jedem Trick durch die Händler, magischen Zeitschriften oder Zauberbücher in der Stadtbibliothek.

(C) Hältst du diese Quellen für ausreichend?

(P) Ich glaube nicht. Es ist sehr schade, dass jeder von der Straße in ein Zaubergeschäft gehen und sich alles, was es in der Zauberei gibt, kaufen kann, ohne beweisen zu müssen, dass er auch Vorführungskenntnisse besitzt. Ich behaupte nicht, dass die Händler, in ihrer Eigenschaft als Teilnehmer am Wirtschaftsleben, unrecht haben, aber hierdurch entsteht der unglückliche Unterschied zwischen dem „Möchte-gern-Sänger“, der sich Musiknoten kauft, aber deswegen noch lange nicht in der nächsten Woche singt, und dem „Möchte-gern-Zauberer“, der am nächsten Tag schon eine Vorstellung gibt. Ich finde, Charlie, dass es die unfertigen Magier sind, welche die Zauberkunst getötet haben. Magie ist keine Kunst, welche die große Öffentlichkeit ohne Weiteres akzeptiert, wenn sie schlecht dargeboten wird. Es ist zu bedauern, dass es heutzutage nicht Schulen wie von Chávez gibt oder kompetente, magische Instruktoren, außer einer Handvoll, während man in jeder Stadt Gesangslehrer, Tanzlehrer etc. findet.

(C) Lass uns über magische Dozenten (Lecturers) sprechen. Ich sah dein Seminar über Präsentation und hielt es für ausgezeichnet. Hier im Magic Castle sehen wir fast jeden Monat magische Dozenten. Was hältst du davon?

(P) Ich finde, dass es zu viele inkompetente magische Dozenten gibt.

(C) Ich gebe dir recht.

(P) Ein Seminar sollte genauso lehrreich sein, wie wenn man zur Schule oder auf die Universität geht. Es sollte nicht nur die Erklärung einer Serie von Tricks enthalten und dem Vorführenden Gelegenheit geben, Geld zu machen. Ich erwarte von einem magischen Dozenten, dass er mir Dinge erklärt, die man wissen muss, um Magier zu sein; dies ist wichtiger als die Schilderung einzelner Trickmethoden. Sehr oft stehen die Tricks in überhaupt keiner Verbindung zu dem Vorführenden und oft sind sie nicht einmal unterhaltsam. Ich habe den Eindruck, dass das Geschäft mit den Seminaren übertrieben wird und dass die Magier selbst daran schuld sind. Wir sollten nur den Experten gestatten, Seminare zu geben, denjenigen, welche die besten Vertreter unserer Kunst sind. Sie sind die einzigen, welche die erforderlichen Qualifikationen besitzen.

(C) Wie steht es mit den magischen Vereinigungen wie I.B.M. oder S.A.M. Wie ist deine Einstellung zu ihnen?

(P) Die Größe der Zauberkunst beruht darauf, dass die Magier der ganzen Welt eine Bruderschaft sind. Das Unglück ist, dass Missgunst entsteht und zu wenig Zeit für die gegenseitige Entwicklung der Fähigkeiten oder die allgemeine Förderung der magischen Kunst aufgewandt wird, wenn immer Angehörige der gleichen Interessengruppen zusammenkommen. Magische Vereinigungen wenden meist zu viel Zeit für die Vereinspolitik und zu wenig für die Erörterung magischer Themen auf. Meist sind es kleinere Gruppen, ohne Präsident und Vereinsfunktionäre, die miteinander und für sich selbst etwas leisten. Einer der Pluspunkte der europäischen magischen Szene ist das sehr gut organisierte System ehrlicher Wettbewerbe, mit der Verleihung verdienter Trophäen für professionelle Leistungen, die nicht nur deswegen vergeben werden, weil man sie vergeben muss. Ein Großteil des Verdienstes für dieses System in Europa gehört Henk Vermeyden, dem amtierenden F.I.S.M.-Sekretär. Vielleicht ist das der Grund, warum europäische Bühnenkünstler besser sind als amerikanische Bühnenkünstler. Dies ist wirklich blamierend, da es für dieses Land, diese Einheit ohne Staatsgrenzen, weitaus unproblematischer sein sollte, einmal im Jahr alle Magier auf einem großen Kongress mit einem ähnlichen Wettbewerbssystem zu vereinen.

(C) Wir wollen mal über die Präsentation der Magie sprechen. Kürzlich unterhielten wir uns über die Zauberkunst und ihre das Gefühl ansprechende Wirkung. Ich finde, dass eine Zauberdarbietung nicht sehr gefühlsansprechend ist, etwas aber nicht viel. Was meinst du?

(P) Es gibt einige Tricks, die meiner Meinung nach definitiv das Gefühl ansprechen. Eine gut eingeübte und vorgeführte Schwebenummer spricht das Gefühl an. Ich finde, dass die Ausstrahlung direkt vom Vorführenden und nicht von dem gezeigten Trick ausgehen muss. In diesem Fall würde ich heimgehen und sowohl an den Vorführenden wie an den Trick denken. Dies paßt auch zu der momentanen Bedeutung, Persönlichkeiten zu kreieren. Kürzlich sah ich hier im Magic Castle einen jungen Close-up-Künstler, Lawrence Steinhauer, der mit Hilfe von Musik und seinem eigenen Vorführungsstil das Lösen zweier Taschentücher zu einer Handlung werden liess, die das Gefühl ansprach. Don Keller lässt einen glauben, dass seine Sambakugeln wirklich schweben, und seine Vorführung des Klassikers „Schneesturm in China“ ist für die Zuschauer fast ein emotionales Erlebnis. Ich habe Zuschauer erlebt, die gefühlsmäßig tief berührt wurden, wenn sie diesen Künstler und natürlich auch andere sahen. Wer könnte jeden anbetungswürdigen „Lefty“ von Jay Marshall vergessen oder die Grazie von Norm Nielsens schwebender Geige, die tatsächlich die klassischen Melodien „spielt“, die man vom Orchester hört? Obwohl ich nie die großen Magier Amerikas wie Blackstone, Dante und Thurston gesehen habe, nehme ich an, dass sie sowohl durch ihre Effekte als auch mit ihrer Persönlichkeit das Gefühl ansprachen.

(C) Ja, ich verstehe, was du meinst. Gehen wir noch einen Schritt weiter: Glaubst du, dass die Zauberkunst mehr mystifizieren oder unterhalten soll?

(P) In vielen Fällen sollte sie beides. In manchen Fällen sollte mehr Gewicht auf die Unterhaltung als auf die Mystifikation gelegt werden, in anderen Fällen sollte es umgekehrt sein. Ich ziehe es vor, wenn die Unterhaltung den ersten Platz einnimmt, vielleicht, weil ich den Humor betone. Aber nur geheimnisvoll zu erscheinen, genügt nicht. Ein Trick, der mir unerklärlich ist, ist nicht nur deswegen unterhaltsam, weil ich die Trickmechanik nicht kenne. Dann geschieht es, dass die Zuschauer sagen: „Nun, wen interessiert das schon?“ Deswegen ist das Zeigen von Zauberkunststücken im Fernsehen schwierig. Ein Magier, der behauptet, dass keine Kameratricks verwendet werden, muss sich voll bewusst sein, dass seine Behauptung allein nicht genügt. In einer Zeit, in der Chromakey entwickelt wurde, wo der gleiche Star im gleichen Fernsehbild zur gleichen Zeit verschiedene Dinge tut, muss der Magier, der dies behauptet, einen Regisseur haben, der seine Nummer fernsehgerecht ausstrahlt und uns tatsächlich glauben macht, dass keine Kameratricks verwandt werden. Dies heißt auch, dass keine Nahaufnahmen des Gesichts gebracht werden dürfen, wenn der Magier gerade sein leeres Produktionsgerät füllt. Das Wunder des Fernsehens kann die gebotenen Wunder der Magie leicht überschatten. Was ich sagen wollte war, dass Zauberei im Fernsehen unterhaltsam sein sollte. Zauberei für Magier wäre wahrscheinlich mehr geheimnisvoll als unterhaltsam zu gestalten. Wie ich erklärte, müssen nichtsdestoweniger beide Aspekte berücksichtigt werden.

(C) Gut, Peter, bis jetzt sprachen wir von deinen Ansichten über den Stand der Magie, unsere Magier, ihre Wirkung, ihre Unterschiede, ihre Vereinigungen und die Wirkung ihrer Tricks. Lass uns jetzt über ihre Utensilien, Art der Kleidung, Verkauf und Aufbau ihrer Karriere sprechen. Wie steht es mit den magischen Geräten, die heutzutage angeboten werden?

(P) Als ich kürzlich Dr. Robert Albo in Oakland besuchte, der zusammen mit Erik Lewis und David Bamberg das neue Buch „The Oriental Magic of the Bambergs“ (die orientalische Zauberkunst der Bambergs) schrieb, war ich von der riesigen Sammlung antiquarischer Zaubergeräte fasziniert. Dies ist ein Beispiel für die heutige Mode, alte Zaubergeräte zu sammeln. Ich bezweifle, dass einmal das Gleiche mit den heute gefertigten Utensilien geschehen wird. Natürlich gibt es einige Ausnahmen, aber leider nur sehr wenige. Zu diesen wenigen Meistern der Handwerkskunst gehören Rings und Things, Eddie Taytelbaum in Holland, Johnnie Gaughn hier in Los Angeles, die Firma Owen, einige der Geräte von Abbott’s, die Johnson-Münzen und einige andere. Das Geld, das man in Artikel investiert, die von diesen Firmen oder Menschen angefertigt wurden, ist gut angelegt. Ein Großteil der Händlerware ist von schlechter Qualität. Mir ist klar, dass es schwierig ist, gute Handwerker zu finden, die Qualitätszauberartikel in großen Mengen herstellen können. Aber warum muss jeder Zaubertrick mit chinesischen Symbolen oder Karnevalsfarben dekoriert und innen schwarz ausgemalt werden, wenn dies manchmal gar nicht notwendig ist? Wo bleibt der schöpferische Geist des Vorführenden, um die Artikel nach dem Kauf zu verändern? Was kann es schon kosten, alte Apparate gelegentlich aufzufrischen? Zerkratzte und angeschlagene Geräte deuten entweder auf große Armut oder starken Gebrauch hin, aber warum daraus ein Ratespiel für die Zuschauer machen? Wenn Sie und Ihre Geräte wie eine Million Dollar aussehen, dann sind Sie vielleicht auf dem richtigen Weg, einen Teil dieser Summe zu verdienen. Ein guter Zaubertisch muss nicht unbedingt aus der Werkstatt eines guten Händlers stammen. Wir wissen alle, dass Magier eine Schwäche für Kaufhäuser haben, wo sie viele attraktive Gegenstände zur Verwendung in ihrer Nummer finden können. Die Geräte eines Magiers sollten genauso professionell aussehen wie der Eindruck, den er vermitteln will, sei es im Wohnzimmer oder auf der größten Bühne.

(C) In Ordnung, wenn die Geräte schön aussehen sollen, wie soll der Magier sich kleiden?

(P) Gut, Charlie … gut. Nein, was ich meine, ist, dass die Mode stärkeren revolutionären Änderungen unterlag, als irgendeine andere Form persönlicher Ausdrucksweise. Heute früh sah ich ein Plakat mit einem Mädchen, welches in Las Vegas als Sängerin auftritt. Der Text besagte: „Diamanten von Tiffany – Hosenanzug von Levi Strauss.“ Dies sollte dich ahnen lassen, wo die Mode heute steht. In den meisten Fällen sollten sich die Magier von ihrem Frack trennen. Es ist mir klar, dass viele Leser dieser Ansicht nicht zustimmen werden, aber ich finde, dass ein Magier sein Modebewusstsein sowohl auf der Bühne wie auch im täglichen Leben zeigen sollte. Und darum ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt, das Zylinder- und Frack-Image zu verändern. Was ist eigentlich falsch daran, wenn ein gut gekleideter, junger Mann eine Zauberdarbietung mit ungewöhnlichen Gegenständen bringt und in einer Schau mit anderen, modisch gekleideten Artisten gesehen wird? Wenn man Assistenten verwendet, sollten sie auf jeden Fall gleich gekleidet sein. Wenn ein Magier auf einem Frack besteht, sollte seine weibliche Assistentin auch förmlich gekleidet sein. Ein Mann, der im Geschäftsanzug zaubert, sollte seine Assistentin nicht im Abendkleid auftreten lassen. Wenn eine weibliche Assistentin beginnt, ihre Jahre zu zeigen, sollte sie diese Jahre auf delikate Weise verdecken. Eine alte Dame, die im Bikini aus der Fluchtkiste kriecht, wird kein Publikum begeistern. Natürlich übertreibe ich hier etwas, Charlie, aber ich glaube, dass du verstehst, was ich sagen will. Gehe mit deiner Kleidung mit der Zeit, ausser du bringst einen Zauberakt, der ein besonderes Kostüm erfordert.

(C) Gut, Peter, wenn wir gut angezogen sind und elegante Utensilien haben, wie verkauft man sich am besten?

(P) Wenn wir eine gute Zaubernummer haben, müssen wir einige gute Bilder von einem professionellen Theaterfotografen anfertigen lassen. Jeder für gute Bilder ausgegebene Betrag ist eine gute Investition. Oft sehen die Talenteinkäufer die Bilder, bevor sie die Darbietung sehen. Wenn deine Bilder schlecht oder unprofessionell sind, denkt der Agent vielleicht, dass deine Darbietung genauso unprofessionell ist, und wirft die Bilder in den Papierkorb. Bei den Fotographien muss sich eine kurze Zusammenfassung deines magischen Werdegangs und deiner wichtigsten Engagements befinden. Empfehlungsschreiben können nicht schaden. Gutes Briefkopfpapier und ein sauber, mit der Maschine geschriebener Brief, klar verständlich und themenbezogen, gehören auch dazu. Denke daran, Magie ist ein Geschäft und DU bist das Produkt. Wenn möglich, richte den Brief an eine bestimmte Person und nicht an eine Agentur oder Firma. Übertreibe nicht mit deinen Erfolgen. Wenn du z. B. eine Probevorstellung im Dunes Hotel in Las Vegas gegeben hast, täusche nicht den Agenten, indem du behauptest, dass du tatsächlich dort aufgetreten bist. Sein bester Freund ist vielleicht der Agent dieses Hotels und ein einfacher Telefonanruf kann all deine Chancen zunichte machen. Ein guter Agent ist natürlich ein Segen. Die gezahlten zehn Prozent sind seine Vertretung voll wert. Wenn dieser Agent dich einmal in einem Klub, etc., untergebracht hat, solltest du nicht den Fehler machen, wenn du wieder dort auftrittst, ihn zu vergessen. Er könnte sehr wohl wieder in die Lage kommen, dich woanders unterzubringen. Wenn du ohne Agent arbeitest, solltest du deine Arbeitgeber hier und da daran erinnern, wo du bist und was du professionell machst. Lass gelegentlich neue Fotos von dir machen. Wenn deine Leistungen oft gelobt wurden, ist eine Broschüre vielleicht von Vorteil. Habe Visitenkarten (Bescheidenheit, bitte!). Verteile sie, wann immer du mit eventuell zukünftigen Auftraggebern zusammen bist. Kleide dich gut, wenn du einen Agenten oder Auftraggeber besuchst. Du kannst den Anschein einer erfolgreichen Karriere erzeugen, selbst wenn die Geschäfte schlecht gehen. Du weißt, du bist ein Magier. Wenn du diese einfachen Ratschläge befolgst, wirst du bald feststellen, dass du Auftritte erhältst und dafür bezahlt wirst. Verkaufe dich aber nicht zu billig. Was billig ist, ist oft wenig wert. Versuche, den besten Preis zu erzielen, auch wenn andere für weniger auftreten. Natürlich gäbe es mehr zu sagen, Charlie, aber dann müssten wir noch einen Artikel schreiben.

(C) Peter, du hast uns viele Informationen und Stoff zum Nachdenken gegeben. Ich weiß, dass man mir diese Frage hunderte von Malen stellte und sicherlich hast du sie auch schon vernommen. Welchen Rat würdest du jungen Magiern geben?

(P) Ja, ich habe, Charlie, und eine Antwort, die wir auch hunderte von Malen vernahmen, war, Schluss zu machen. Ich stimme dem nicht zu. Magie ist ein ernstes Geschäft, also muss man es auch ernst nehmen.

(C) Sag das noch einmal.

(P) Nimm es ernst. Ich wende mich natürlich an die potentiellen Berufsmagier, die gerne ihren Lebensunterhalt mit der Zauberkunst verdienen möchten. Beende deine Schule. Wenn möglich, und wenn du zu den Glücklichen gehörst, gehe auf die Universität und bleibe bis zum Abschluss Belege einen Schauspielkurs, nehme Tanzunterricht. Diese zwei letzten Empfehlungen haben mit der Zauberkunst mehr zu tun, als du glaubst. Sie helfen dir dabei, auf der Bühne den Eindruck eines erfahrenen und gewandten Künstlers zu machen. Nimm Sprechunterricht. Beobachte andere Künstler, nicht nur Magier. Lese magische Literatur, wo immer du sie bekommst. Abonniere die magischen Magazine. Wenn du einen Trick kaufst, lies die Erklärung, lege sie beiseite und kreiere deine eigene Version des Tricks. Denke, denke, denke! Kopiere nicht blind andere Magier und ihren Stil. Unterhalte dich über Magie nur mit Leuten, die du respektierst, und nicht notwendigerweise mit Magiern. In anderen Worten speichere so viele Informationen und Kenntnisse wie möglich, nicht nur über Magie, sondern über das Showgeschäft im Allgemeinen. Bitte Magier um Hilfe, die du respektierst, und du wirst überrascht sein, wie viele dir zur Seite stehen. Entwickle Entscheidungskraft und den Willen, „bei der Sache zu bleiben“, akzeptiere, was du falsch machst, und korrigiere es. Zwinge deine Kunst nicht anderen Menschen auf und bleibe bescheiden. Dies klingt vielleicht dumm, aber das Wesen der Zauberkunst kann dir, im Zusammenhang mit einer angenehmen Persönlichkeit, den Hauch von Professionalismus verleihen.

Es ist klar, dass wir bei der Diskussion dieser die Magie betreffenden Themen kaum alle Gebiete behandeln oder neue Richtlinien setzen konnten, aber vielleicht haben wir viele der Dinge ins Bewusstsein gerückt, die uns vielleicht schon bekannt waren. Ich wäre interessiert zu erfahren, was deine Leser denken, Charlie, und ich danke dir für die Gelegenheit, ein Teil deiner Kolumne „INTERMISSION“ zu sein.

Der Text stammt aus dem Fachmagazin Intermagic, das von Rudolf Braunmüller herausgegeben wurde. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.

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