Methoden, Varianten und Routinen
Was ist einführend erwähnenswert?
Reinhard Müller
Ein Leitfaden
Gelegte Spiele
2026 (1. Auflage)
Autor: Reinhard Müller
über 50 Routinen, Kniffe und tricktechnische Anwendungen
Seiten: 116
Verlag: Magic Factory
Einleitung
Erstaunliche, überraschende und kaum bekannte Effekte mit gelegten Spielen gibt es in der Zauberfachliteratur, von denen viele in Vergessenheit geraten werden.
Vor zwei Jahrzehnten habe ich mir anlässlich mehrerer Tagungen, die dieses Thema behandelten, Notizen gemacht und sie darauf vor über fünfzehn Jahren zu einem Manuskript zusammengefasst, das ich Ihnen hier mit weiteren Ergänzungen zugänglich mache.
Auch Sie, lieber Leser, werden eingeladen, sich Notizen zu meinen Aufzeichnungen zu machen. Dazu sind auf dem freien Platz unter meinen Beschreibungen für Sie Linien vorbereitet!
Ich habe beobachtet, dass es en vogue ist, in Zeitschriften und Tagebuchforen im Internet (Blogs) Entdeckungen aus Zeitschriften und Büchern vergangener Jahrzehnte mit Freude und Erstaunen erneut zu offenbaren.
In dem Diskussionsfaden „Today’s Finding“ („Heutige Fundsachen“) in dem Internetforum „Magie Gate“ veröffentlicht der japanische Zauberkünstler Hideo Kato seine für ihn bedeutenden Funde in „alten“ Zeitschriften und Büchern. In jenem Forum gibt es auch eine Kolumne mit dem Titel „Everything Old Is New Again“ („All das Alte ist wieder neu“).
David Regal schrieb die Kolumne „Speaking Volumes“ („Bände sprechen“) in der amerikanischen, monatlich erscheinenden Zauberfachzeitschrift „Genii“, in der er die Ergebnisse von Umfragen im Kreise bekannter Zauberkünstler nach übersehenen Kunststücken in „klassischen“ Zauberbüchern veröffentlichte.
Der bekannte amerikanische Mentalist und Close-up-Künstler Richard Osterlind schrieb 1999, dass bei der Überfülle von erscheinenden Büchern die älteren Werke eine ständig sprudelnde Quelle von Inspirationen für ihn seien.
1.1 Allgemeines
„Mit einem gelegten Spiel sind Sie einem großen Kartenkünstler gleichwertig, und Ihre Zuschauer glauben sogar, Sie seien der Bessere“, das sagte einst der Dentist und Amateurmagier Dr. Boris Zola zu Bert Allerton, dem berühmten amerikanischen Close-up-Künstler.
Bert Allerton beherrschte diese Grundlage und konnte zudem noch die Lage einer Karte im Spiel schätzen und so durch Abheben auf den Spielrücken bringen. Das war für Allerton ein Ansatz zu unglaublichen Effekten, wie z. B. zu seinem Produzieren jeder genannten Karte und zu seinem Kartenstechen! Aus der Zeitschrift „Hugards Magic Monthly“ (1962) ist bekannt, dass Allerton sich mit den Zuschauern unterhielt und dabei einen von ihnen bat, eine beliebige Karte zu nennen. Während dieser Unterhaltung spielte Allerton mit dem Kartenspiel, hob es dabei ab und hatte die genannte Karte griffbereit.
Für die folgenden Effekte sind zwei Grundabläufe wichtig:
- Einmal wird aus einer Karte, die ich im Folgenden mit „Leitkarte“ bezeichne, die nachfolgende oder vorhergehende Karte ermittelt,
- zum anderen wird die zu einer Positionsnummer gehörende Karte bestimmt oder die Positionsnummer einer bestimmten Karte erfragt.
Diese Abläufe sind einmal bei einem memorierten, dann bei einem berechenbaren Spiel möglich.
1.2 Eine geschichtliche Notiz
Ich benutze hier „Gibecière“, New York 2007.
Horatio Galassos Buch „Giochi Di Carte Bellissimi Di Regola E Di Memoria“ (Venetia 1593) [„Wunderschönste, auf Regeln und Gedächtnistechniken beruhende Spiele mit Karten“] beginnt – und das vor 415 Jahren! – mit einer Kartenroutine, die ein gelegtes Spiel verwendet.
1. Galasso verwendet ein Spiel mit 48 Karten, die vier Zehner sind dem Spiel entnommen. Vier Zuschauern werden die Karten je einer Kartenfarbe überreicht und der Vorführende ruft alle Karten durcheinander ab, ohne eine einzige Karte vergessen zu haben.
Der Vorführende sammelt die Karten nach seinem System ein. (Vgl. 2.2 !).
Galasso beschreibt ein System, bei dem die Differenz zweier aufeinanderfolgender Kartenwerte vier ist.
2. Nun mischt er scheinbar das Spiel, hebt es in Wirklichkeit nur ab.
Darauf lässt er eine Karte ziehen, hebt an der Stelle ab, schaut auf die unterste Karte und nennt die gezogene Karte.
Dieser Effekt wird mehrmals wiederholt.
3. Nun lässt der Vorführende eine beliebige Karte bestimmen und sagt sofort, zwischen welchen zwei anderen Karten diese genannte Karte liegt!
4. Der Vorführende merkt sich die oberste Karte des Spiels und überreicht das Spiel einem Zuschauer. Nun nennt er Karte für Karte vom Rücken des Spiels aus und lässt sich die jeweils genannte Karte geben und legt sie bildoben auf die Hand.
5. Hat er alle Karten wieder eingesammelt, legt er die Karten rückenoben in zwei Reihen zu je sechs Karten aus und wiederholt das Ganze noch dreimal, legt also die 13. auf die 1. Karte usw. So erhält er zwölf Päckchen zu je vier Karten.
Wendet er die zwölf Päckchen bildoben, so liegen in jedem Päckchen vier Karten des gleichen Wertes!
Nächstes Kapitel
Reinhard Müller zeigt verschiedene Methoden auf, um in ein gelegtes Spiel zu kommen. Er beschreibt Methoden ohne Ablage und vor aller Augen.
Der Text stammt aus dem gleichnamigen Buch „Gelegte Spiele“, das in einer anderen Auflage im Atrioc Verlag herausgegeben wurde. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
