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Orientierungshilfe für Zauberkünstler

Eine Einführung zur Geschichte (Falschzählmethoden)

Reinhard Müller
Ein Leitfaden

Falschzählmethoden

2026 (2. Auflage)
Autor: Reinhard Müller

59 Illustrationen

Seiten: 128

Verlag: Magic Factory

Eine kurze Einleitung zur Geschichte

Falsche Zähl- und Vorzeigemethoden haben heute ihre Hauptanwendung bei den „Kleinpäckchen-Kunststücken“. Die Kartenkünstler begannen damit, ein vollständiges Spiel falsch vorzuzählen. Sie konnten so zeigen, dass eine gedachte Karte im Spiel verschwunden ist, oder erreichten durch das Falschzählen eine bestimmte, vorher festgelegte Karte. Das Letzte bedeutet ‚forcieren‘ oder eine einfache Art des ‚Stopp-Tricks‘. Man vergleiche etwa Conradi-Horsters „Der vollendete Kartenkünstler“ (1917).

Zum anderen war der Effekt der Kartenwanderung, z. B. aus der Hand in die Tasche, sehr beliebt. Es wurden Varianten erdacht, bei denen weniger als mehr Karten vorzuzählen waren. Dazu finden Sie auch in der folgenden Abhandlung ein Beispiel: „Das klassische Überzählen“.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg lösten zwei Kunststücke aus den USA den jetzt noch zu beobachtenden Trend aus: George Sands’ „Super Optical Illusion“ (Hugard’s Magic Monthly, 1946) und Tommy Tuckers „Six Card Repeat“ („6 – 3 = 6“) in der Version von Eddie Joseph (Strictly Magic, 1949). Zu dieser Zeit spielte das Vorzeigen „Buckle Count“ die große Rolle. Heutzutage ist es durch die „Karten-Schub“-Methoden bereits abgelöst.

Der Effekt George Sands stiftete auch hier in Deutschland die Kleinpäckchen-Kunststück-Welle an. Kurz darf ich an den Effekt erinnern, der in verschiedensten Erzählungen verpackt vielen großen Erfolg brachte und noch bringt: Vier Karten mit blauem Rücken drehen sich der Reihe nach bildoben, verwandeln darauf ihre Bildseite und zuletzt als Höhepunkt ihre Rückseite in rot.

Folgend gebe ich einige wichtigere Phasen der geschichtlichen Entwicklung des Vorzeigens von Spielkarten an.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Grundlagen vieler heute gebräuchlicher Vorzeigearten gelegt.

So ordnete der amerikanische, äußerst ideenreiche Kartenkünstler Charles T. Jordan 1919 vier Asse beim Hinüberzählen in die andere Hand um („Phantom Aces“ in Thirty Card Mysteries). Heute wird das „Jordan-Zählen“, „das flexible Vorzeigen“ (nach Ed Marlo), zur Lösung anderer Aufgaben benutzt.

Ein Jahr später beschreibt Ellis Stanyon einen Griff, mit dem man drei als vier Karten vorzeigen kann. Im gleichen Jahr führt Charles T. Jordan ein Zählen vor, bei dem während des Abziehens von Karten vom Spiel den bereits abgezählten Karten heimlich weitere hin zugefügt werden, ein Vorläufer des „Kardyro-Biddle-Griffs“ („The Winged Cards“ und „The Haunted Deck“ in der Fulves-Ausgabe Collected Tricks, erschienen 1975). Um 1930 operierte Dai Vernon mit seinem „Buckle Count“ im Kartenbereich. 1935 veröffentlichte Laurie Ireland die Idee, einen Kartenblock als eine Karte zu behandeln. Wir finden dieses Prinzip wieder im sehr modernen Schub-Zählen. Bereits 1944 arbeitete Tony Kardyro mit dem 1947 von Elmer Biddle veröffentlichten „Biddle-Move“ („Transcendental“).

Wieder auf den Spuren Jordans, dem Umordnen von Karten, diente Edward Victors ‚E-Y-E-Griff‘ (Stanley, London 1959), der auf dem ‚Karten-Schub-Prinzip‘ beruht. Hier sei eingeflochten, dass die Bezeichnung „Falschzählen“ bei diesem und vielen anderen Griffen unrichtig wäre; denn drei Karten werden wirklich als drei Karten vorgezählt, nicht zwei als drei oder zum Beispiel vier als drei. „The Mystic Nine“ ist der Titel des Kunststücks, in dem LePaul das ein wenig schwer zu erlernende, aber geniale Vorzählen Bro. John Hammans erläutert. Veröffentlicht wurde dieses Zählen 1958 in LePauls „The Card Magic of Brother John Hamman“.

Alex Elmsley nannte in seinem „The Four Card Trick“ (1959) den grundlegenden Griff „Ghost Count“ („Elmsley Count“, „Four-as-Four-Count“) und berichtet, er habe ein „Überzählen“ von Eric de la Mare mit dem Edward Victor „E-Y-E-Griff“ zu seinem „Ghost Count“ kombiniert. Nachdem hier in Deutschland das „Elmsley-Zählen“ sehr bekannt ist, interessiert sicher auch, welchen Effekt Alex Elmsley ursprünglich mit diesem Vorzeigen vorführte: „Vier Karten mit blauem Rücken und Vorderseite blanko werden gezeigt. Plötzlich verwandelt sich eine der vier in einen Joker, der in dem Päckchen von Platz zu Platz springt, verschwindet, wieder erscheint und schließlich seine Rückseite in rot verwandelt. Die Karten können untersucht werden.“ Weltweit über innere Zirkel hinaus wurde das „Elmsley-Vorzeigen“ erst durch Dai Vernons „Twisting the Aces“, durch die sich drehenden Asse, in „More Inner Secrets“ (1960) bekannt. Doch blieb es nicht bei diesem Vorzeigen von Karten. Die folgende Arbeit versucht, die vielen Zählarten nach ihrem Grundprinzip zu ordnen und aufzuzeigen, was eine Vorzählart zu leisten vermag.

So wird man im Folgenden erkennen, dass viele Vorzeigegriffe ein „Konzept“ darstellen, das heißt vielseitig einsetzbar sind.

Der Text stammt aus dem gleichnamigen Buch „Falschzählmethoden“, das in der ersten Auflage von Rudolf Braunmüller herausgegeben wurde. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.

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