‚Million Dollar Card Secrets‘ und ‚Super Subtle Card Miracles‘
Lauter Rückseiten (Kartenmirakel)
Kartenmirakel
Eröffnungstricks
Der faszinierendste und interessanteste Mann, dem ich jemals beim Zaubern begegnet bin, ist Dai Vernon. Er hatte mehr Einfluss auf meine Entwicklung von Ideen und auf meine Art der Kartenhandhabung als irgendein anderer Autor oder Lehrer. Bevor ich einen Griff oder eine Bewegung in irgendeine meiner Routinen mit hineinnehme, frage ich mich immer selbst: „Wie würde Vernon das machen?“ Einer meiner „Lieblings“-Vernon-Effekte ist die „Lauter Rückseiten“-Routine. Hier ist meine eigene Version:
Leihen Sie sich ein Kartenspiel mit einem weißen Rand aus. Lassen Sie es vom Zuschauer mischen. Erklären Sie, dass Sie versuchen werden, ein Hellseh-Experiment vorzuführen. Sie werden versuchen, die Namen von Karten zu nennen, während dieselben noch mit den Bildseiten nach unten auf dem Tisch liegen. Studieren Sie für einen Augenblick die Rückseite der obersten Karte. Drehen Sie diese Karte um, und in dem Moment, wenn Sie ihren Wert sehen, nennen Sie ihren Namen. Natürlich wird jedermann bemerken, dass Sie die Bildseite dieser Karte gesehen haben. Geben Sie sich jedoch vollkommen ernst. Egalisieren Sie das Spiel und doublieren Sie, indem Sie die oberste Karte zusammen mit der darunter verborgenen zweitobersten Karte nehmen. „Ich zeige es Ihnen noch einmal.“
Der linke Daumen schiebt die nächste Karte etwas nach rechts, wo sie, unter Verwendung der soeben abgehobenen, duplizierten Karte, mit der Bildseite nach oben geklappt wird (Bild l). Nennen Sie wieder den Namen der Karte, sobald Sie die Bildseite erspähen.
Jetzt schiebt der linke Daumen die bildoben liegende Karte zusammen mit der nächsten, bildunten liegenden Karte nach rechts. Bilden Sie einen winzigen Kleinfinger-Spalt unter diesen beiden Karten. Die rechte Hand fügt nun ihre Karte(n) hinzu, und alle vier Karten werden auf dem Spiel egalisiert. Heben Sie die vier Karten über dem Spalt ab und bewegen Sie sie gemeinsam nach rechts. Mit diesem Päckchen klappen Sie wieder die nächste Karte auf dem Spiel mit der Bildseite nach oben. Nennen Sie den Namen dieser Karte. Bilden Sie unter ihr einen Spalt. Legen Sie das rechts gehaltene Päckchen auf das Spiel. Egalisieren Sie die fünf Karten und drehen Sie sie in einer Bewegung um, Bildseite nach unten. Jetzt liegen die zweite und die vierte Karte von oben verkehrt herum im Spiel.
Das ganze Drumherum mit den drei „Karten-Bekanntgaben“ geschieht mit einem Augenzwinkern, d. h., Sie erwecken den Eindruck, nur ein wenig Spaß machen zu wollen. Gleichzeitig haben Sie aber das Spiel für die folgende Routine vorbereitet.
Heben Sie, während Sie sprechen, das Spiel einige Male „doppelt“ ab, wobei Sie darauf achten müssen, dass der vorbereitete Stapel danach wieder oben liegt. „Das sah wohl nicht sehr überzeugend aus! Sie glauben wohl, dass ich die Karten beim Umdrehen gesehen habe. Aber wenn ich sie vor dem Umdrehen nennen würde, wäre das sicher interessanter, oder?“
Greifen Sie mit Ihrem rechten Daumen und Zeigefinger zur äußeren rechten Ecke der Karten und biegen Sie sie ein wenig nach oben (Bild 2). Wenn Sie nun den Zeigefinger anheben, entsteht ein eigenartiges Geräusch. „Diese Karte ist die… (Pause). Das ist seltsam. Ich empfange überhaupt kein Bild.“
Dublieren und drehen Sie die beiden obersten Karten des Spiels um. Spielen Sie den Überraschten, weil Sie eine Karte mit zwei Rückseiten sehen. „Das muss ein Fehldruck sein. Die Karte hat zwei Rückseiten!“ Nehmen Sie die beiden Karten als eine weg, zeigen Sie sie von beiden Seiten vor und legen Sie sie unter das Spiel.
„Manchmal vergessen sie nämlich, Bildseiten zu drucken. Lassen Sie es uns noch einmal versuchen.“ Wiederholen Sie die erste Handlung und tun Sie dabei wieder so, als hätten Sie Schwierigkeiten mit dem „Empfang einer Kartenbildseite“. Drehen Sie die nächste(n) Karte(n) um: Sie hat wiederum zwei Rückseiten. „Wo haben Sie nur dieses Spiel gekauft?“
Nehmen Sie die beiden Karten auf einmal weg und stecken Sie sie in die Mitte des Spieles, aber so, dass sie etwa 2,5 cm weit an der vorderen Schmalseite herausragen. Indem Sie die linke Hand umdrehen (auf den Körper zu), zeigen Sie auf beiden Seiten Rückseiten vor. Anschließend bewegt sich die linke Hand wieder in ihre Normalposition zurück. Wenn Sie die Karte(n) in das Spiel schieben, bewegen Sie sie mit der rechten Hand etwas nach oben, so dass Ihr kleiner Finger einen Spalt unter der Doppelkarte bilden kann.
Greifen Sie mit der rechten Hand herüber und nehmen Sie die obere Hälfte des Spieles nach rechts weg (Bild 3).
Trennen Sie beide Hände, so dass sie etwa zwanzig Zentimeter voneinander entfernt sind und sich in jeder Hand ein Päckchen befindet. Drehen Sie beide Hände auf Ihren Körper zu. Das rechts gehaltene Päckchen wird ganz normal durch die Drehung der rechten Hand gewendet. Links aber geschieht Folgendes:
Der linke Zeigefinger legt sich unter das linke Kartenpäckchen (Bild 4) und drückt nach oben, während Mittel-, Ring- und Kleinfinger das Päckchen festhalten (Bild 5). Nun dreht sich die linke Hand um 90° (Bild 6). woraufhin sich beide Hände wieder vom Körper wegdrehen. Somit wurde das linke Päckchen umgedreht und auf beiden Seiten waren Rückseiten zu sehen (Bild 7).
Legen Sie das rechte Päckchen auf das linke Päckchen und halten Sie zwischen den beiden Päckchen einen Kleinfingerspalt.
“Dies ist das ungewöhnlichste Spiel, das ich je gesehen habe.“ Egalisieren Sie das Spiel. Heben Sie die obere Hälfte etwas an und rücken Sie sie etwas nach vorn. Fächern Sie diese vorgeschobene Hälfte auf und zeigen Sie lauter „Rückseiten“ vor. Schieben Sie den Fächer zusammen, halten aber die beiden Hälften noch immer getrennt. Der rechte Daumen legt sich auf das Spiel, die anderen Finger von vorne unter das Spiel, das nun der Länge nach umgedreht und wieder in die linke Hand zurückgelegt wird. Wenn Sie mit dem rechten Daumen auf den hervorstehenden Teil etwas Druck ausüben, können Sie einen neuen Spalt bilden, den Sie mit Ihrem linken kleinen Finger übernehmen. Wiederum fächert die rechte Hand die obere Hälfte auf, um lauter „Rückseiten“ vorzuzeigen.
Egalisieren Sie das Spiel, behalten aber immer noch den Spalt bei. Trennen Sie die Päckchen beim Spalt und führen Sie die gleichen Handlungen aus wie zuvor (Bild 4, 5, 6, 7). so dass das linke Kartenpäckchen nach dem beidseitigen Vorzeigen gewendet werden wird. (Die unterste Karte eines jeden Päckchens liegt zu diesem Zeitpunkt mit der Bildseite nach oben. Ansonsten ist das Spiel völlig in Ordnung.)
Rücken Sie das rechte Päckchen etwas nach rechts. Der linke Daumen übt etwas Druck aus, damit beide Päckchen sicher gehalten werden können. Die rechte Hand verändert nun ihre Position so, dass sich der Daumen an der inneren und die Finger an der äußeren Schmalkante beider Päckchen befinden. Die Finger liegen oben. Die rechte Hand, die beide Päckchen hält, dreht sich mit dem Handteller nach oben und dann wieder nach unten, um nochmals „lauter Rückseiten“ vorzuzeigen.
Jetzt nähert sich die linke Hand der rechten. Die Finger der linken Hand schieben die unterste Karte des linken Päckchens nach rechts. Gleichzeitig bringen Sie das untere Päckchen nach oben (Bild 8). Es sollte so aussehen, als würden Sie das Spiel abheben. In Wirklichkeit haben Sie aber die bildoben liegende Karte an die Unterseite des Spiels gebracht.
Fächern Sie alle Karten auf, bis auf die letzten Karten an der Spielunterseite, um „Rückseiten“ vorzuzeigen. Egalisieren Sie das Spiel und halten Sie es wieder in der linken Hand. Drehen Sie es nun wieder um 90°, wie zuvor (das Spiel liegt jetzt für einen kurzen Moment mit der Bildseite nach oben). Drehen Sie das Spiel wieder zum Körper, so dass der linke Handteller nach unten zeigt. Übernehmen Sie die Karten mit der rechten Hand und fächern Sie sie wieder auf. Die beiden Drehungen erfolgen nacheinander, um den Eindruck zu erwecken, als würden Sie lediglich das Spiel umdrehen.
Jetzt ergreift die rechte Hand das Spiel in einer Hindu-Misch-Position. Beginnen Sie mit dem Mischen, wobei Sie die rechte Hand ein paarmal mit der Innenseite nach oben drehen, um „überall“ Rückseiten vorzuzeigen. Nach zwei- oder dreimaligem Vorzeigen schiebt der linke Daumen die unterste, bildunten befindliche Karte des rechten Päckchens auf das linke Päckchen. Dies wirkt recht überzeugend und hilft, die Lage einer der verkehrt liegenden Karten zu korrigieren. Fahren Sie mit dem Mischen fort, bis Sie nur noch die beiden obersten, mit den Bildseiten gegeneinander liegenden Karten in der Hand halten. Zeigen Sie sie (für die Zuschauer nur eine Karte) von beiden Seiten vor und legen Sie sie dann auf das Spiel.
„Nur ein Zauberkünstler kann diesen Wirrwarr bereinigen. Sie haben Glück, dass ich heute bei Ihnen bin.“
Schlagen Sie einen Druck-Fächer, wobei Sie darauf achten müssen, dass die bildoben liegende Karte im oberen Teil des Spieles nicht sichtbar wird. Alle Karten haben nun wieder Bildseiten.
Diese Routine ist nicht so langatmig wie ihre Beschreibung. Im Anschluss daran können Sie sofort „Kehrtwendung“ bringen, da Sie für diesen Trick nun vorbereitet sind.
Der Text stammt aus dem gleichnamigen Buch „Kartenmirakel“, das in der ersten Auflage von Rudolf Braunmüller unter dem Titel „Kartengeheimnisse und Kartenmirakel“ herausgegeben wurde. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.
