Der zeitreisende Magier
Der Titel „Der Abend der Wunder“ klingt zunächst nach klassischer Zaubershow. Auf der Bühne steht jedoch kein gewöhnlicher Zauberkünstler, sondern Markus von Lautern, ein Magier der behauptet, aus einer anderen Zeit zu stammen und in der Gegenwart einen Beweis für seine Zeitreisefähigkeit sucht.
Diese Setzung bestimmt den Abend: Kunststücke werden nicht einfach vorgeführt, sondern als Relikte aus einer anderen Epoche erzählt. Es geht um die angeblich „wahre“ Geschichte des Kaninchens aus dem Hut, um alte Formen der Zauberkunst und um Geschichten mit einem leicht unheimlichen Ton.
Uraufführungen sind für Künstler immer etwas Besonderes. Dieser magische Moment, in dem eine Idee erstmals vor Publikum lebendig wird.
Auch Markus von Lautern, der sich selbst als „zeitreisender Magier“ bezeichnet, dürfte dieses Gefühl vor wenigen Tagen gespürt haben. Mit seiner neuen Show „Der Abend der Wunder“ machte er Station im Berliner Theater „Showfenster“, einem kleinen, fast wohnzimmerartigen Raum, der an diesem Abend knapp vierzig Zuschauer fasste.
Das Publikum saß dicht am Geschehen, beinahe so, als wäre man Teil eines privaten Experiments zwischen Illusion und Erzählung. Begleitet wurde der Abend allerdings auch von mehreren technischen Pannen. Doch gerade diese verliehen der Vorstellung auf eigentümliche Weise zusätzlichen Charme, als gehörten kleine Störungen und Unvorhersehbarkeiten ganz selbstverständlich zu dieser Reise durch Zeit, Wunder und Improvisation.
Ablauf
- Die zeitreisende Spielkarte
- Der unerschöpfliche Zylinder
- Papier verwandelt sich zu Geld
- Die Ringe des Ching Ling Foo
- Die sagenumwobene Forstersche Zahl
- Jean Robert-Houdin
- Die fliegenden Münzen
- Die finnische Seifenblase
- Der Würfel der Unwahrscheinlichkeit
- Die springenden Punkte
- Das Wunderseil aus Indien
- Eine kurze Reise durch die Zeit
- Die hellsehenden Zuschauer
- Die schottische Geisterbeschwörung
Die Show
Mit „Der Abend der Wunder“ präsentiert Markus von Lautern eine unterhaltsame und sympathische Zaubershow, die vor allem durch ihre originelle Grundidee überzeugt. Der Magier inszeniert sich als „zeitreisender Magier“, ein Ansatz, der nicht nur ungewöhnlich, sondern auch ausgesprochen witzig ist.
Dieses Konzept verleiht dem Abend eine eigene Atmosphäre und hebt die Show angenehm von klassischen Zaubervorstellungen ab. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass diese Idee noch konsequenter ausgearbeitet werden könnte. An einigen Stellen verliert der rote Faden etwas an Klarheit, und manche Kunststücke würden davon profitieren, wenn ihre dramaturgische Funktion innerhalb der Geschichte stärker hervorgehoben würde.
Das Publikum im Berliner Theater „Showfenster“ ging von Beginn an gut mit und hatte sichtbar Freude an der Vorstellung. Besonders bemerkenswert war die große Beteiligung der jüngeren Zuschauer. Die Show ist für Menschen ab acht Jahren empfohlen, und die anwesenden Kinder erwiesen sich als aufmerksam, schlagfertig und äußerst spielfreudig. Immer wieder versuchten sie lautstark, den „zeitreisenden Magier“ zu entlarven, ein energisches „Du betrügst!“ hallte mit begleitendem Gelächter der Erwachsenen durch den Raum. Markus von Lautern reagierte darauf jedoch sehr souverän und bewies gerade in diesen spontanen Momenten großes Talent. Überhaupt war er verbal immer dann am stärksten, wenn er improvisieren musste und direkt mit dem Publikum interagierte.
Auch die Auswahl der Kunststücke passte insgesamt sehr gut zum Konzept des Abends. Die Routinen wirkten abwechslungsreich, überraschend und sinnvoll zusammengestellt. Zwar dürften viele Effekte dem Fachpublikum bekannt sein, doch spielt das in diesem Zusammenhang kaum eine Rolle. Entscheidend ist, wie die Kunststücke präsentiert werden und hier gelingt es Markus von Lautern, seiner Show einen eigenen Charakter zu verleihen.
An einigen Stellen war dem Künstler allerdings eine gewisse Nervosität deutlich anzumerken. Nicht jedes Kunststück verlief vollkommen reibungslos, und kleinere Unsicherheiten blieben sichtbar. Dennoch gelang es ihm bemerkenswert gut, diese Momente aufzufangen und charmant zu überspielen. Gerade dadurch wirkte der Abend oft angenehm lebendig und authentisch.
„Der Abend der Wunder“ ist noch keine perfekte Produktion, besitzt aber eine starke Grundidee, viel Charme und großes Potenzial. Wenn es gelingt, das Konzept des „zeitreisenden Magiers“ künftig noch stringenter durch die gesamte Show zu tragen, dürfte aus dieser bereits jetzt unterhaltsamen Vorstellung schnell ein wirklich besonderes Zauberprogramm werden.
Der Abend voller Wunder
von und mit Markus von Lautern
Uraufführung: April 2026
Dauer: 90 Minuten zzgl. 20 Minuten Pause
Instagram: @markusvonlautern
