Schauspielkunst und Regie für Zauberkünstler

Die Bühne

V. J. Astor
Ein Leitfaden

Die magische Präsentation

2001 (2. Auflage)
Autor: V. J. Astor

Seiten: 151

Verlag: Magic Factory

Bevor wir mit dem sprichwörtlichen „Ersten Schritt“ beginnen, wollen wir uns zunächst etwas mit dem Raum vertraut machen, in dem sich alles das abspielt, wovon wir im Folgenden sprechen werden. Es ist die Bühne.

Im Allgemeinen verwendet man die Bezeichnung „Bühne“ für eine Estrade, die mit charakteristischen technischen Mitteln ausgestattet ist, wie: Vorhang, spezielle Beleuchtung, Schnürboden usw. Aber auch wenn Sie nicht regelmäßig auf einer Bühne auftreten, sondern auf dem Podium, im Parkett oder im Salon, ja, auch wenn Sie „nur“ am Tisch zaubern, an eines müssen Sie sich gewöhnen:

Der Platz, die Stelle, wo Sie auftreten, ist für Sie die Bühne, und da gelten die gleichen Gesetze wie auf der „richtigen“ (mit Vorhang etc. ausgestatteten) Bühne!

Deshalb (und um die Sache einfacher zu machen) werden wir ab jetzt immer von der Bühne sprechen, und Sie wissen, dass diese Bezeichnung sich auf den Ort bezieht, an dem Sie agieren. Damit es bei Besprechungen mit dem Bühnenpersonal (Bühnenmeister, Beleuchter, Dekorateure usw.) keine Missverständnisse gibt, prägen Sie sich am besten einige allgemein gültige Fachvokabeln ein:

Die Bühnenöffnung, wie sie das Publikum sieht (der Rahmen, in dem „gespielt“ wird), nennt man Proszenium. Der Bühnenraum wird normalerweise an 5 Seiten begrenzt. Vorne (Zuschauerseite) durch den Vorhang, der nur während der Vorführung geöffnet wird. Unten durch den Bühnenboden, hinten durch den Hintergrund und an den beiden Seiten durch die Kulissen. Der Bühnenraum hat keine Decke; an ihrer Stelle hängen vom Schnürboden herab die Soffitten, die den Einblick in den Wirrwarr des Schnürbodens verhindern. Die vordere Kante des Bühnenbodens, an der sich oft ein Souffleurkasten befindet, heißt Rampe. Rechts und links hängen die Kulissen (siehe Abb. 1).

Und gerade dieses „Rechts“ und „Links“ kann für den Bühnenneuling etwas verwirrend sein. Die Bühne hat nämlich ihre eigene Geometrie. Rechts gilt hier als links und umgekehrt.

Maßgebend für Seitenbezeichnungen auf der Bühne ist nämlich immer die Blickrichtung der Zuschauer.

Also: Die Bühnenseite, die vom Zuschauerraum aus gesehen links liegt, heißt auch auf der Bühne die linke Seite, und was der Zuschauer als rechts bezeichnen würde, ist auf der Bühne rechts. Wenn es z.B. in einer Regieanweisung heißt: „Auftritt von rechts“, dann ist damit die Seite gemeint, die vom Auditorium aus gesehen rechts liegt.

Das gleiche gilt übrigens auch, wenn Sie in der Manege, auf dem Podium oder am Tisch arbeiten. Auch dort richten sich die Seitenbezeichnungen der Vorführungsfläche immer nach der Blickrichtung der

Zuschauer.

Gewiss, es kann im ersten Moment verwirrend sein, sich vorzustellen, dass dort, wo Ihre rechte Hand ist, eigentlich die linke Seite sei. Doch man gewöhnt sich schnell an diesen „Begriffswechsel“. Bemühen Sie sich ab nun, sich in diese „verkehrte“ Welt, die das (seitenverkehrte) Spiegelbild der Wirklichkeit ist, einzuleben; nicht nur in Ihrer Sprache, sondern auch in Ihrem Denken. Es wird Ihnen sehr schnell gelingen, und es wird sogar zum Automatismus: Nach einer Weile werden Sie automatisch die richtigen Bezeichnungen verwenden. Dadurch werden Sie Fachkundigen bezeugen, dass Sie sich in der Theaterwelt auskennen (also kein Dilettant sind), aber Sie werden dadurch auch solche Peinlichkeiten vermeiden, dass Sie z.B. bei Ihrer Vorführung sagen: „Nehmen wir den linken Würfel“ worauf die Zuschauer protestieren: „Das ist der rechte!“ – denn sie sehen es so!

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Der Text stammt aus dem gleichnamigen Buch „Die Magische Präsentation“, welches von der Magic Factory Essen herausgegeben wird. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers.

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