Dr. Wilsmann

Dr. A. Ch. Wilsmann
Magische Autoren des 20. Jahrhunderts

Unmöglich und doch möglich

2026 (1. Auflage)
Autor: Dr. A. Ch. Wilsmann

Seiten: 456

Verlag: Magic Factory

Eine Kurzbiographie von H. Friedrich

Dr. Wilsmann wurde am 18. April 1899 in Werl/Westfalen geboren. Die erste Begegnung mit der Welt des „Magischen“ erlebte er als Pennäler in seiner kleinen Heimatstadt, als ein durchreisender Zauberkünstler, wie es um die Jahrhundertwende üblich war, in Gasthäusern und Schulen seine bescheidenen Künste zeigte. Der Schüler Wilsmann war von dieser Vorstellung so fasziniert, dass er mit Freunden eine eigene Zaubertruppe zusammenstellte und wie die Fahrenden durch die Umgebung zog. Daraus erwuchs eine geheime Liebe zur magischen Kunst, obgleich ihn dieser „Schritt vom Wege“ ein weiteres zusätzliches Jahr seines Pennälertums kostete. Auf dem Gipfel seines Erfolges, als gereifter Mann, konnte er mit Humor über dieses Jugendabenteuer berichten, das, wie sich herausstellen sollte, gar kein Fehltritt war.

Nach Abschluss der Schule studierte er Philosophie, Literatur, Kunstgeschichte, Volkswirtschaftslehre und Medizin in Marburg und Münster und trat schon Anfang der 20er Jahre mit grundlegenden Beiträgen über Probleme des Rundfunks hervor. Dann wandte er sich dem Zeitungswesen zu und begann eine Laufbahn als Redakteur.

Die Welt des Geheimnisvollen übte immer noch ihre starke magische Anziehung auf den jungen Wilsmann aus. Er verstand es vortrefflich, Neuigkeiten, ungewöhnliche Geschehnisse und fesselnde Tatsachen jeder Art aufzuspüren und sie als Notiz festzuhalten. Da war nun die Geschichte der Zauberei ein weites Feld, in dem vergrabene Schätze ruhten. Er hat sie, der Schule entwachsen, ans Licht geholt in seiner berühmt gewordenen Kulturgeschichte der Zauberkunst, die heute auf der ganzen Welt verbreitet ist. Der Verfasser ging den Schicksalen vergangener und zeitgenössischer Künstler der Magie nach. Er stieg hinunter zu den Quellen, um der historischen Wahrheit willen, ließ sie wieder lebendig werden vor dem Hintergrund schillernder Zeitgemälde und offenbarte Geheimnisse, die ein Jahrhundert dem anderen zugeraunt hat. Seine Geschichten sind unvergleichlich farbig und lebendig. Man sieht, hört und fühlt, was er erzählt. Und obwohl es sich um Geschichten von Menschen handelt, denen er nicht persönlich begegnet war, glaubt man, er wäre dabei gewesen. Er konnte die großen Magier so beschreiben, dass man sie leibhaftig vor sich sah.

Bei der Konzeption seiner Kulturgeschichte war das Grundmotiv: Es sollte aufklärend wirken in dem Sinne, dass menschliche Leichtgläubigkeit nicht von Schwindlern und Scharlatanen missbraucht würde. Daher hieß der Titel des Buches ursprünglich: „Magie ohne Magie“. Dem Verleger erschien dieser Titel nicht attraktiv genug, um ein großes zahlendes Publikum anzulocken. Er schlug vor: „Die zersägte Jungfrau“. Der Verleger behielt recht. Das Buch wuchs zur Millionenauflage.

Hier ist der Platz, Wilsmanns Stellung zu magischen Problemen einzuschalten. Man ersieht sie aus dem Geleitwort, das er zur Eröffnung des Nürnberger Kongresses schrieb: „Zur Kunst im eigentlichen Sinne wird die Zauberkunst, die Kunst der Täuschung, nur da, wo sie mehr ist als bloßer Trick, mehr als listiges Attentat auf den grübelnden Verstand. Reines Spiel und holder Schein! Wo sie das ist, vermag sie uns das Schönste zu schenken, was Kunst uns schenken kann: jene beglückende Mittagsstille des Herzens, jene wunschlose Gelassenheit, die uns bisweilen wie eine süße Ohnmacht überfällt und alles in uns, was auf Ziele gerichtet ist, was an Zwecke gebunden ist, mit zauberleichten Händen löst, auflöst ins hohe Licht der Träume und Geschichte.“

Er hat ein neues Vokabular für die Erklärung magischer Phänomene erfunden. In der Leichtigkeit der Diktion gelang es ihm, auf seinem ureigensten Gebiet, der Schriftstellerei, die Schwerkraft aufzuheben, mit leichter Eleganz zu sagen, dass die Kunst der Magie nicht mit übernatürlichen Kräften arbeitet, dass der Zauberer seine verblüffenden Wirkungen nur mit natürlichen Mitteln zustande bringt, dass die magische Kunst eine amüsante, liebenswerte Täuschung ist: die Kunst des schönen Scheins! Seine Stilmittel waren der gelungene Einfall, die witzig-graziöse Prägung, der Rösselsprung der Denkbewegungen, die Improvisation, das Epigramm, z. B. „Magie ist die einzige Täuschung, die nicht enttäuscht.“

Da Mathematik seine besondere Liebe war, schuf er auf mathematischer Grundlage Kartenexperimente, die in Aufbau und Effekt etwas an die Rohnsteinsche Kartenkunst erinnern, aber er brachte sie in eine geistvolle, nicht kopierbare Einkleidung. Der Magische Zirkel Nürnberg war für ihn ein geeignetes Experimentierfeld, auf dem die Wirkung seiner Gedankenspiele erprobt wurde.

Der Krieg setzte allen Versuchen ein Ende. Nun kam für ihn das Übliche: Ausbombung, Verlagerung des Betriebes, Besatzung. Als die Amerikaner die Reste des Verlags durchkämmten, wirkte der bloße Name Wilsmann wie ein übermächtiges Tabu: Die Popularität seines Namens war sogar den Besatzungsmächten geläufig. Wilsmann war der „clevere Mann“, die Durchsuchung fiel aus. Dafür wurden dem Verlagsdirektor soziale Verantwortungen aufgebürdet, die ihm wesensfremd und daher freudlos waren. Dann kamen die Jahre des Wiederaufbaus. Wer sich noch der Trümmer erinnert, an das verwüstete Nürnberg nach dem Kriege, kann sich eine ungefähre Vorstellung machen, was es hieß, aus dem Schutt wieder einen der größten süddeutschen Verlage aufzubauen. Dazu brauchte man einen Mann mit Ideen. Wilsmann hatte sie. So war er Begründer und Chefredakteur der Programm Illustrierten „Gong-Funk-Fernsehwelt“ und der Jugendzeitschrift „Liliput“.

Aber das Übermaß an Arbeit hatte den schmächtigen Mann mit dem feingeschnittenen Gelehrtenkopf, der eine Armee von Mitarbeitern nur durch die Strahlkraft seiner überlegenen Geistigkeit beherrschte, zu sehr aufgebraucht. Er zog sich 1960, krank, in das Sanktuarium seiner Studierstube zurück. Das war seine eigentliche Welt. Wie alle schöpferischen Menschen brauchte er Einsamkeit und Stille. Es gab für ihn keine bürgerliche, keine berufliche Hinderung, sich den Lebensabend leicht zu machen, und auf der Höhenlage seiner sozialen Stellung auch keine materielle. Wenn er trotzdem seinem versagenden Organismus immer wieder ein Jahr aufreibender Aktivität abverlangte, so ist das mit Künstlerehrgeiz nicht zu erklären. Eine unwiderstehliche Leidenschaft zwang ihn, die Fülle seiner Geschichten loszuwerden. Wer über den Höhenflug des Geistes noch zu staunen vermag, der lese in seinem Buch „Die Welt unter der Tarnkappe“ den Traktat über Nietzsches Lehre von der Wiederkunft des Gleichen.

Dr. A. CH. Wilsmann starb am 20. April 1966. Er war ein Mann, dessen Gedächtnis wir hüten und dessen Schätze wir bewahren wollen.

Der Text stammt aus dem gleichnamigen Buch „Unmöglich und doch möglich“, welches von der Magic Factory Essen herausgegeben wird. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers.

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